Djembé ABC
Taubedarf
Für die Errechnung des Taubedarfs
zum Bespannen einer Djembé (mit ca. 60 cm Höhe) misst man
den
*
Abstand zwischen den oberen und unteren Ringschlaufen,
*
multipliziert ihn
mit 2 und
*
multipliziert ihn mit der Anzahl der (gewünschten) Ringschlaufen.
*
Zu dem Ergebnis
sind noch zwei Meter für die Nachspannreserve zu addieren.
*
Für
die Ringschlaufen oben und unten braucht man zusätzlich noch insgesamt
10 Meter Tau.
Trommelfell Problemstelle
Eine Warze oder ein Pickel ist noch kein Grund das Fell aufzugeben und wegzuwerfen. Generell sollte man das Fell nach dem Einweichen noch mal genau auf alle Unebenheiten untersuchen und dann den Bereich für die Spielfläche aussuchen, der die wenigsten Unregelmäßigkeiten hat, denn manche Problemzonen lassen sich in trockenem Zustand noch nicht erkennen.
Da die Ziegen unter natürlichen Bedingungen leben, sind kleinere Unregelmäßigkeiten wie Hautunreinheiten, Warzen, Pickel, ehemalige Insektenstiche oder verheilte Narben sehr häufig zu finden. Wenn man eine Warze, Pickel oder eine große Pore erst beim Rasieren in feuchtem Zustand auf der Spielfläche entdeckt, sollte man sie zuerst in Ruhe vollständig trocknen lassen. Danach kann man sie mit feinem Schleifpapier (+240K), zusammen mit den Haarresten drumherum, auf die Höhe der Spielfläche glatt schleifen. Sehr oft sind sie dann kaum noch zu sehen. Wenn man sie herauspult macht man sich nur ein unnötiges Löchlein hinein.
Sollte sie nun aber dennoch entfernt worden sein, oder beim Rasieren oder Schleifen anschließend herausfallen, ist es immer noch nicht zu spät.
Meist sind diese Problemstellchen nur sehr klein und auch noch von einem kleinen Kranz aus Hornhaut oder Narbengewebe umgeben, wodurch diese Stellen in der Ziegenhaut in der Regel sehr stabil werden.
Ich habe in 15 Jahren noch nie eine Djembé gesehen, die wegen Warze, Pickel oder Pocke gerissen ist.
Trommelfell Riss
Da wir alle unsere Trommelfelle genauestens untersuchen ist kein Fellriß zu erwarten. Wenn die Djembé vielleicht, auch Tage vor dem Schaden, an der Kante angestoßen wurde, wie es zum Beispiel passieren kann, wenn man durch einen Türrahmen geht und anstößt, dann kann das Fell reißen. Spielt jemand mit einem scharfkantigen Ring am Finger, oder fällt sie mal um, so riskiert man einen Fellriß.
Häufiger sind auch Fellrisse in der Umstellungszeit von den warmen Temperaturen zu kühleren Temperaturen.... siehe auch unter Wetterwarnung. Man muß bei der Dosis des Spannens die aktuelle Luftfeuchtigkeit mit einbeziehen. Spannt man z.B. bei feuchtem Wetter und es wird danach heiß und trocken, dann wird das Fell dadurch noch straffer und kann reißen. Auch die Größe des und Dicke des Fells sind Kriterien für die Möglichkeiten des Spannens. Trommeln mit großem Durchmesser bekommt man kaum so knackig gespannt, wie Kleinere und je dünner das Trommelfell, desto effektiver wirkt sich ein Nachspannen aus, somit muß man entsprechend vorsichtiger sein. Es spielen viele Faktoren zusammen und wenn wir eine Djembé aus unseren Händen abgegeben haben, können wir nicht sagen, welche Auslöser in der Zwischenzeit zum Fellriss geführt haben. Beim Nachspannen kommt es, wie gesagt, sehr auf die Dosierung an! Siehe auch unter Spannen & Stimmen.
Alle Infos über unseren Reparaturservice sind auf der Seite 'Service' ganz unten zu finden. Bei Djembé Art gibt es eine reichhaltige Auswahl Trommelfelle und Rohhäute für den Trommelbau. Wenn es noch Fragen gibt, dann kannst Du Dich gerne auch telefonisch an uns wenden: 06723 / 3042.
Trommelfell Wechsel
Um ein neues Trommelfell
auf eine Djembé auf zu spannen braucht man neben dem Trommelkorpus:
* Vorzugsweise
ein afrikanisches oder ein pakistanisches Ziegenfell mit mindestens 15 cm zusätzlichem
Durchmesser
* 18 m möglichst reckarmes Tau + zusätzlich 10 m für
die Ringschlaufen
* zwei gleich große Eisenringe für den Korpus (6-8 mm stark) mit ca.
2 cm größerem Durchmesser als der obere Kesselrand.
* ein passender Eisenring für den unteren Kesselhals (6-8 mm stark)
* eine Rasierklinge
* Schleifpapier (180 K)
Zeitdauer:
* Je nach Witterung mindestens 4 Tage
Vorbereitung:
-
Den
Trommelkesselrand auf Unebenheiten prüfen und diese
gegebenenfalls begradigen und glätten.
Als Trommelfell wird für die Djembé weltweit bevorzugt afrikanische
Ziegenhaut verwendet, da sie die djembésoundtypischen Klangeigenschaften
hat. Es können aber auch andere Tierhäute wie Antilope, Hirsch
ect. benutzt werden. Jede Tierhaut hat gänzlich andere Klangeigenschaften.
-
Das
Trommelfell sollte mindestens 6 Stunden in weichem Wasser
(z.B. Regenwasser) eingeweicht werden, damit es vollständig
quellen kann und weich und geschmeidig wird. Danach gut
abspülen, Schmutz, Haut und Fettreste entfernen und
abtropfen lassen.
Durchführung:
-
Das
Trommelfell
so über die Kesselöffnung legen, dass die
Rückenlinie mittig über die spätere Spielfläche
läuft und mit dem ersten Ring fixieren.
-
Den
seitlichen Überstand zur Spielfeldmitte zurückklappen
und mit einem Seil fixieren.
- Den 2. Ring an dem die Ringschlaufen angebracht
sind, von oben exakt auf dem Ersten platzieren.
Darauf achten, dass beide Ringe so justiert sind, dass sie rundherum
die gleiche Höhe zur Spannkannte und den gleichen Abstand zum Kessel
haben.
- Dann die Taue in der vertikalen
Ausrichtung so straffen, dass das Trommelfell eine leicht Spannung
erhält. Wichtig ist, dass diese Spannung sehr sorgfältig
und gleichmäßig angebracht wird, damit das Trommelfell
später in sich harmonisch klingt. Das
Tau kann mit der Hand gezogen, oder zum Ziehen um einen Stock
gewickelt oder mit einer mechanischen Hilfe namens 'CLAMCLEAT
Power Grip' eingeklemmt und gespannt werden. Damit es nicht
gleich wieder zurückrutscht kann man es zwischendurch mit
einer Klemmzange an den Ringschlaufenknoten fixieren.
- Wenn das Trommelfell noch behaart
ist etwas antrocknen lassen und dann im feuchten oder halbtrockenen
Zustand auf der Spielfläche rasieren.
- Dazu hält man eine einfache
Rasierklinge zwischen Daumen und zwei Finger (Zeige- und Mittelfinger)
und schabt damit quer zur Spielfläche in Haarwuchsrichtung
die Haare vollständig ab. Vorsicht, ein einziger seitlicher
Schnitt kann die Tierhaut durchschneiden und damit die ganze
Arbeit zunichte machen.
- Den Überstand der Tierhaut
kann man dann, einen Finger breit über dem Spannring, abschneiden.
Wer einen Fellrand wünscht, kann das Ziegenfell in noch
feuchtem Zustand nach unten binden und in die gewünschte
Form schneiden.
Abschlussarbeit:
- Sobald die Djembé einige
Tage vollständig durchgetrocknet ist, können eventuelle
Haarreste und Hautunebenheiten auf der Spielfläche vorsichtig
mit feinem Schleifpapier (ca. 150 K) abgeschliffen werden. Achtung,
die Haut ist nur Millimeter dünn und besonders an
den Spannkanten schnell durchgeschliffen!
- Sobald die Spielfläche
präpariert ist, kann man mit dem Spannen & Stimmen beginnen.
Dazu wird das Vertikaltau, von einem fixierten Punkt ausgehend,
gleichmäßig durchgezogen und gespannt. Dabei achtet
man darauf, dass der obere Eisenring parallel zur Spannkante
abgesenkt wird und dass der untere Eisenring am Hals der Djembé auch
in der Horizontalen parallel zu den oberen Ringen bleibt, ohne
zu verrutschen.
- Die Djembé kann jetzt
eingespielt werden, muss aber nach einigen Tagen nochmals nachgespannt
werden, da die Fellspannung am Anfang erfahrungsgemäß deutlich
nachgibt. Nach dem zweiten Spannen auf die gewünschte Tonhöhe
ist der Prozess abgeschlossen.
- Für späteres Nachspannen & Stimmen
verwendet man das Reservetau, das in der Horizontalen so eingeflochten
wird, dass jeweils zwei benachbarte Taue gegeneinander gezogen
werden. Eine detaillierte Beschreibung mit Grafik und Bildern
haben wir unter Spannen & Stimmen abgebildet.
So, nun wünschen
wir gutes Gelingen: Gavin & Martina
Trommelfell wie stark spannen?
Frage
an die Experten vom 15. August 2007, von Heli aus Österreich:
Habe mit einer Freundin das Wochenende vier Djembés neu bespannt (alle
mit indischem Ziegenfell) und bin mir immer noch unsicher, wie stark man
das Fell im nassen Zustand "spannen" darf d.h. wie stark man die
Längsspannung anziehen kann, ohne dass das Fell beschädigt wird.
Ich habe ein bisschen experimentiert und unterschiedlich fest angezogen.
Es ist bis jetzt kein Fell gerissen, aber bei den beiden, die fester gespannt
wurden hat sich die Spannung beim Trocknen nicht wesentlich erhöht.
Nun meine Fragen:
Gibt es Erkennungszeichen, wann die Spannung zu hoch wird?
Hängt dies auch von der Felldicke bzw. Herkunft ab?
Können die Fasern der Haut reißen (ohne dass das Fell reißt)?
Was ist die richtige Spannung im nassen Zustand des Felles?
Vielen Dank, Heli
Lieber Heli,
danke für Deine interessante Frage, die ich in der Tat nicht zum ersten
Mal höre.
Beim Aufspannen wird dem Ziegenfell im nassen Zustand zuerst eimal NUR die
Form gegeben!
Das bedeutet, es vorsichtig so zu formen, dass
-
die Spielfläche
vom Mittelpunkt aus nach allen Seiten gleichmäßig
gestrafft und eben ist
-
und festgelegt wird,
wie tief die beiden Spannringe unter der Spannkante sitzen sollen!
Da eine Ziegenhaut in nassem Zustand
sehr empfindlich ist, lohnt es nicht irgend ein Risiko einzugehen,
indem wir versuchen uns an die maximale Belastbarkeit heran zu
tasten. Zumal wir es, wenn es trocken ist sowieso erst richtig
für den Sound spannen können.
Um einen Anhaltspunkt zu geben sollte sich das Fell nass noch ohne Mühen
mit dem Finger eindrücken lassen und beim Loslassen sollte die Spielfläche
von selbst wieder flach werden.
Ein bassiger Klang läßt sich dem Instrument dann auch schon beim
Spielen entlocken.
Zu beachten ist in jedem Fall auch die Dicke des Trommelfelles, die in der
Regel zwischen 0,5 - 2 mm sehr stark variieren kann und demnach auch unterschiedlich
stabil ist.
Man muss sehr gefühlvoll damit umgehen, aber trotzdem eine ausreichende
Zugkraft mit den Tauen applizieren. Ich bringe die Grundspannung in der Regel
nur mit der Kraft meiner Hände ohne Stock oder Griphilfen an und warte
eine Woche bevor ich das trockene Trommelfell mit dem Eisenhebel auf Hochspannung
bringe.
Wenn man das Fell zu hoch spannt kann man gelegentlich an einen Punk gelangen
bei dem das Fell zwar noch nicht gerissen ist aber trotzdem klanglich 'tot'
klingt. Es hat dann aus meiner Beobachtung einfach nicht mehr die nötige
Elastizität um klangvoll zu schwingen. Ich orientiere mich nach jedem
Spannschritt am Klang der Trommel und beobachte und spüre wie stark
der Widerstand ist. Mit den Jahren bekommt mein ein gutes Gespür dafür.
Selbstverständlich spielt auch die Herkunft des Trommelfells eine Rolle.
Unsere Versuche mit deutscher Ziege haben gezeigt, das sie empfindlicher
sind und sich nicht so hoch spannen lassen. Afrikanische Ziegenhäute
sind dagen sehr zäh und lassen sich viel höher spannen. Vielleicht
liegt das am Klima und der Ernährung? Auch mit pakistanischen Ziegenfellen
haben wir gute Erfahrungen gemacht.
Ich hoffe Dir ist hiermit geholfen! Mögen Deine Felle niemals reißen
:-)
Mit viel Rhythmus und Lebensfreude:
Gavin
Lieber Gavin!
Du hast mir sehr geholfen.
Ich hatte bisher widersprüchlichen Informationen. Die einen sagen, du
musst das nasse Fell richtig fest aufziehen, sodass nur mehr eine geringe Nachspannung
im trockenen Zustand nötig ist. Die anderen sagen, es es wichtig das Fell
nicht zu dehnen, da sonst die Fasern reißen.
Ich habe schon beides probiert und so wie du schreibts habe ich auch die Erfahrung
gemacht, dass ein stramm gezogenes Fell nicht mehr gut klingt. Bei zu laschem
Fell hatte ich das Problem des Nachrutschens beim Nachspannen, weil die Klemmung
zw. den Ringen sich nicht ordentlich entwickelt hat. So werde ich deinem Rat
folgen und den goldenen mittleren Weg wählen! Vielen Dank für deine
Bemühungen.
aloha, heli
Lieber
Heli,
das mit dem Nachrutschen kann bei sensiblem Finalspannen in mehreren Runden
(mind. 2 Runden) vermieden werden. Außerdem sollte man den Überstand
erst an der fertigen Djembé einen daumenbreit über dem Spannring
abschneiden um ein Durchrutschen zu vermeiden.
Liebe Grüße:
Gavin
P.S. Weitere Tipps rund um das Thema 'Trommelfell Wechsel' sind auch auf der Seite 'Frag die Experten' zu finden!
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